Grabungen an der Milseburg
Tourist-Information Hofbieber
Auszug aus dem Grabungsbericht Milseburg Kr. Fulda 2003
vorgelegt von Dr. Ulrike Söder
Untersuchung
Untersuchungszeitraum: 07.07.2003-26.09.2003
Verbleib der Grabungsdokumentation und der Funde: Kreisarchäologie Fulda (Vonderau-Museum, 36037 Fulda)
Projektleitung: Herr Dr. M. Müller (Kreisarchäologie Fulda)
Örtliche Grabungsleitung: Frau Dr. U. Söder (Marburg)
Lage der Fundstelle
Die Milseburg, Lkr. Fulda, liegt etwa 16,5 km westlich von Fulda. Das Untersuchungsgebiet liegt auf einem ostnordost geneigten Hang innerhalb des UNESCO-Biosphärenreservats Rhön an der Ostseite der Wallanlage "Milseburg". Die Grabungsfläche befindet sich im Bereich der Wallschüttung rund 70 m nordöstlich vom Gänsborn und 4 - 10 m nördlich eines Profils einer Altgrabung.
Sponsoring
Die Grabung wurde durch verschiedene Sponsoren auf unterschiedlichste Weis gefördert. Im einzelnen handelte es sich dabei um (in alphabetischer Reihenfolge):
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den Bauernladen Biohof Gensler, Poppenhausen-Steinwand (Bereitstellung von Lebensmitteln)
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den Fuldaer Geschichtsverein, Sektion Archäologischer Arbeitskreis (freiwillige Helfer)
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die Firma Gehring und Feuerstein, Tief- und Hochbau (Bau- und Werkzeugwagen)
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die Gemeinde Hofbieber (Anpachtung eines Wiesengrundstücks, Bauhof, div. andere Dinge)
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die Firma Mineralbrunnen Rhönsprudel, Ebersburg-Weyhers (unbegrenzte Getränkeversorgung)
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die Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen (finanzielle Unterstützung)
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die Stiftung Sparkasse Fulda (finanzielle Unterstützung)
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das Vermessungsbüro Nimmrichter, Fulda (Vermessung)
Zielsetzung / Fragestellung
Die Grabung wurde durchgeführt, weil eine Rekonstruktion einer vermuteten Steinmauer, die zum Teil um die Milseburg herumzieht, geplant ist. Diese Steinmauer ist im Laufe der Zeit zu einem "Wall" verfallen. Im weiteren Bericht wird deshalb stets von "Wall" gesprochen.
Forschungsgeschichte
In der Zeit von 1900 und 1906 führten J. Boehlau, G. Eisentraut, W. Lange und J. Vonderau mehrere Untersuchungen auf der Milseburg durch und legten dabei verschiedene Bereiche im Innern der Anlage sowie einige Wallstücke frei. Die meisten der Wallschnitte sind noch heute im Gelände erkennbar, weil sie, wie damals üblich, nicht oder nur in geringem Masse wieder zugekippt wurden. In der archäologischen Fachliteratur wird berichtet, dass es sich bei dem heutigen Steinwall ursprünglich um eine Pfostenschlitzmauer handele, was anhand der Grabungsdokumentation allerdings nicht nachvollziehbar ist.
Vorgehensweise Grabung 2003
Planung
Vor der Grabung wurde ein Untersuchungsbereich von 12 X 20 Meter ausgewiesen. Dabei sollte zunächst knapp die Hälfte dieser Fläche (5 X 20 Meter) flächig in verschiedenen Plana (in künstlichen, nicht natürlichen Schichten) bis auf den gewachsenen Boden tiefer gelegt werden, um sowohl eine "Arbeitsfläche" zu schaffen als auch eventuelle Befunde im Planum feststellen zu können. In einem nächsten Schritt sollten die verbleibenden 7 X 12 Meter in mehreren Richtung Norden versetzen Profilen abgebaut werden, um Befunde im Profil erkennen zu können.
Durchführung
Wegen der erheblichen Größe der Steine (z. T. rumpfgroß) und die dadurch bedingte Unfallgefahr konnte der Wallkörper nicht, wie ursprünglich geplant, per Hand abgebaut werden. Die Arbeiten mussten durch einen Kran erledigt werden. Es wurden vier Plana angelegt, davon lagen die ersten drei innerhalb des Wallkörpers. Nach Abbau des Wallkörpers standen am Ende der Arbeiten die beiden so genannten Hauptprofile ("Nord" und "Süd") für eine Beurteilung des Gesamtbefundes zur Verfügung. Der Wallkörper wird an der Grabungsstelle zunächst nicht wieder aufgebaut, weil an dieser Stelle die Rekonstruktion errichtet werden soll.
Ergebnisse / Interpretation
Die Länge der beiden Hauptprofile beträgt jeweils 20,5 Meter, die maximale Höhe bis zu 3 Meter. In dieser Größenordnung ist an der Milseburg erstmals ist ein Wallstück abgebaut worden. Dadurch ist es möglich, wichtige Erkenntnisse über die Befundsituation unterhalb des Wallkörpers zu erzielen. Der Wallkörper besteht heute aus einer Steinpackung aus unbearbeitetem Phonolith. Die erhaltene Breite des Wallkörpers beträgt bis zu 15 Meter, die maximale Höhe 2,20 Meter. Die Ausgrabung hat gezeigt, dass es sich bei dem Wall ursprünglich um ein Bauwerk aus einer Holz - Stein - Konstruktion gehandelt hat. Es ist auf eine schon vor der Bauzeit des Walles bestehende künstliche Terrassenanlage aufgesetzt worden. Auf diesen Terrassen befindet sich eine bis zu 40 cm mächtige eisenzeitliche Kulturschicht, die unter dem gesamten Wallkörper hindurch zieht, und nicht eigens für den Bau des Walles entfernt wurde. Innerhalb dieser Schicht wurden vorgeschichtliche Pflugspuren entdeckt.
Funde
Das vorgeschichtliche Fundmaterial umfasst neben verziegeltem Lehm und Holzkohle auch Keramik, einen Reibstein und Glasperlen. Die Masse der Funde gehört in die Späthallstatt/Frühlatènezeit, weniges in die Mittellatènezeit. Die Funde zeigen deutliche Beziehungen zu Thüringen. Die mächtige eisenzeitliche Kulturschicht unterhalb des Wallkörpers zeigt, dass nicht gleich zu Siedlungsbeginn eine Umfassungsmauer um die Milseburg herum errichtet wurde.Hier einige Bilder zur Grabung:

(Gelbe Glasperle)

(Grabungsfläche)

(Kran)

(Kran im Nebel)
Der Gesamtaufsatz zu den Grabungen erscheint (einschließlich sämtlicher Abbildungen) voraussichtlich Ende September in der Reihe "hessenArchäologie" Band 3, 2003 und heißt: "Auf der Suche nach den verschwundenen Pfosten" von Ulrike Söder und Manuel Zeiler.
Die nächste Grabung findet ab 14. Juni 2004 statt und dauert acht Wochen.
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